Mittwoch, 12. Mai 2010

Helden oder Versager?

(He) Diese Frage prangte zum Spiel gegen Hö/Nie am Zaun der Nordtribüne. Fragen verlangen nach Antworten. Nun, da die Saison gelaufen ist, ist es an der Zeit ein Resümee zu ziehen und nach Antworten zu suchen. Eines steht fest, Helden werden die aktuellen Spieler zumindest in dieser Saison nicht mehr. Sie hätten sich  nur bei einem Erreichen des ersten Platzes und dem damit verbundenen  ersten Aufstieg seit knapp 20 Jahren in die Vereinshistorie eingetragen. Für die vielen treuen  Fans, die wie auch ich die glanzvollen Zeiten und damit die wahren Helden unseres Vereins nicht erleben durften, wären die aktuellen Spieler mit dem lang ersehnten Erfolgserlebnis Helden gewesen.

Eigentlich ganz schön einfach heutzutage ein Held zu werden. Dennoch wurde das Saisonziel verfehlt. Wieder einmal. Ob dies ausreicht um die Spieler als Versager zu betiteln, möchte ich jedem selbst überlassen. Nur schaute ich nach der Niederlage in Ratingen doch etwas ratlos in den Block als die Spieler mit Beifall verabschiedet wurden. Zwei ordentliche Spiele, gegen Hö/Nie und Homberg, sowie eine kämpferische zweite Hälfte in Ratingen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, wann, wo und vor allem wie der Aufstieg in dieser Saison leichtfertig vergeben wurde.

Bei aller böser Vorahnung auf  Grund der vom Verein verfolgten Transferpolitik, die bereits in der ersten BPZ Ausgabe angeklungen ist, muss an dieser Stelle die Mannschaft, die es letztendlich richten sollte in die Pflicht genommen werden. Sie und niemand sonst hatte es selbst in der Hand Helden in Blau-Rot zu werden. Der Aufstieg wurde nicht gegen Homberg oder in Ratingen vergeben, sondern in den zahlreichen Spielen, in denen die Mannschaft Punkte allein wegen mangelndem Einsatz und fehlendem unbedingten Siegeswillen liegen lies.

Bei dem für einen 6. Ligisten einzigartigen Umfeld, das den Spielern hier geboten wird, sowie bei allen Anstrengungen, die rund um das Team unternommen wurden konnte es zu keinem Zeitpunkt zu viel verlangt sein, dass die Mannschaft ihren Teil dazu beiträgt, dass es endlich wieder aufwärts geht.

Gerade viele gestandene Spieler sollten sich fragen, ob sie nicht hätten mehr leisten können und ob in dieser Saison nicht mehr drin war. Versager oder nicht, hier sollte bei der Kaderplanung für die kommende Saison angesetzt werden, wenn es dann mal wieder für eine Mannschaft heißt „Helden oder Versager?“

Never Give up

(Ch) Viele Gedanken habe ich mir zu diesem Thema gemacht und bis zum gestrigen Tag, als diese Ausgabe wirklich in den Druck gegangen ist, standen hier nicht mehr als drei Sätze. Was soll ich nur schreiben? Was steckt dahinter? Was bedeutet das für mich, für dich, für die Szene, für unseren Verein?

Gegen Homberg nahmen wir die (erst) dritte Niederlage in dieser Saison hin. Eine Niederlage die allerdings mit Rückblick auf die ganze Saison eine der schmerzlichsten ist. Verspielte man so mal wieder den lang ersehnten Aufstieg. Auch eine Woche später gegen Ratingen waren die Erwartungen zwar noch groß, konnten aber wieder nicht erfüllt werden. Die Spiele der Rückrunde sind mehr als bescheiden gelaufen. Eine ganze Reihe von Unentschieden mussten wir hinnehmen.

Die anfängliche Euphorie sowie die Zuschauerzahlen sanken zunehmend. Verständlich wenn man sich Woche für Woche den größten Müll rein ziehen muss. Verständlich für die Leute, denen der Verein nicht wirklich am Herzen hängt. Es bringt wohl nichts mehr darüber zu fachsimpeln, was alles hätte anders laufen müssen. Es ist einfach vorbei. In ganz Deutschland haben wir uns bis auf die Knochen blamiert. Ich sage einfach wie es ist: Deutschland lacht über uns. Wenn ich mir die ältere Fan-Fraktion anschaue, tut es im Herzen weh. Ich weiß wie oft diese schon schmerzliche Niederlagen hinnehmen musste und kann gut nachempfinden, dass diese weder am Support noch an Auswärtsfahrten Interesse hat. Dennoch frage ich mich häufig, wie sie es schafft auch weiterhin hinter ihren Jungs zu stehen?

Ich blicke zu ihnen auf! Sie fahren weiter, Woche für Woche. Angefangen von Liga 1 bis in Liga 6. Es kann nur eine Antwort auf diese Fragen geben: Die Liebe zur Stadt, zur Tradition und zum Verein, der ihnen den langen Atem verleiht weiter zu machen. Für mich sind diese Jungs Vorbilder. Ich weiß ganz genau, egal wo wir nächstes Jahr spielen werden, dass ich mit ihnen wieder fahren werde!

Never Give up Krefeld!

Und täglich grüßt...

(Ph) Da haben wir es dann also doch geschafft. Der Aufstieg ist verspielt und trotz aller Treuebekenntnisse Lakis' hat man doch das Gefühl wieder vor einem Trümmerhaufen zu stehen. Aber was für das "Team" auf dem Platz zutrifft, trifft dann doch auch auf uns zu. Wir haben es nämlich auch geschafft. Die dritte Ausgabe des Beipackzettels erscheint mit Verspätung und Probleme, die 4 Seiten voll zu bekommen hatten wir auch schon. Aber warum? Müssen wir die Schuld bei uns selbst suchen, oder dürfen wir so dreist sein und sie ganz einfach mal anderen in die Schuhe schieben? Ich glaube JA! In der letzten Ausgabe hatte ich über unser

Selbstverständnis als Fans geschrieben und dabei unsere unglaubliche Leidensfähigkeit gelobt. Aber genau diese Leidensfähigkeit ist es auch die uns einfach mal sagen lassen können muss, dass wir Fans uns nicht alles gefallen lassen müssen und dürfen. Warum sollen wir mehr Engagement zeigen als die 11-14 Spieler pro Spiel auf dem Platz? Wofür? Sind wir doch nur noch Teil der Maschine Fußball? Schön im Block stehen, Lieder singen, Fahne schwenken, in die Kamera irgendwelcher "Event-Fotografen" winken und sonst die Schnauze halten? Wenn man all das Spektakel der letzten Monate betrachtet, könnte man fast auf diesen Gedanken kommen.

Die anfängliche Euphorie ist schnell verflogen, und gegen Remscheid schafften es zu einem bedeutungslosen Spiel doch noch 1.200 sich aufzuraffen und in die Grotenburg zu kommen. 1.200 die fern ab der Zahlen sind, die man sich im Winter ausmalte. In den aktuellen Wochen sollten Tausende in die Burg strömen um dem lang ersehnten Aufstieg entgegen zu fiebern.

Viele von uns hatten noch das Glück die Bundesliga der früheren Zeiten in der Grotenburg erleben zu dürfen. Bratwurst, Stehplätze, Anpfiff Samstag um 15:30, fliegende Händler die nicht lizenzierte Fanartikel verkauften und rundherum all das was man mit einem schönen Fussball-Tag verbunden hatte. Und heute? 6. Liga. Auch da mal wieder verkackt. Ein Team, dem man nur schwer abkauft, dass es wirklich ein Team ist. Aber dann auch "Marketingaktionen" die einen Fan nur noch mit dem Kopf schütteln lassen. Konnte man anfangs Ailton tatsächlich noch als sportliche Bereicherung verkaufen, macht sich der arme Kerl nun zusehends selbst lächerlich und, viel schlimmer, unseren Club auch. Autoball-WM? Was ist das bitte? Vor allem, was soll das bitte? Haben wir nun endgültig keine anderen Sorgen mehr? Es geht um nichts anderes als die Zukunft unseres Clubs. Es geht um einen Etat, um Sponsoren, einen Coach und nicht zuletzt um Spieler für die neue Saison. Es geht um den hundertsten Versuch endlich aufzusteigen. Aber stattdessen wird Energie für einen unwichtigen Mist verwendet. Energie um eine klinisch saubere und vor allem kritiklose Event-Gesellschaft mit dem nächsten Stück Zucker zu befriedigen. Energie die anderswo viel nötiger wäre.

Und bei all dem, da fragt ihr noch nach der Motivationsfähigkeit derer, die schon seit Jahrzehnten nach Uerdingen gehen und ganz einfach Fußball-Fans sein wollen? Motivation und Engagement wofür? Ja, ich oute mich heute als einer, der keinen Bock mehr hat immer zu klatschen und alles toll zu finden. Ja, ich bin einer der auch keine Lust mehr hat bei einem unwichtigen Spiel gegen Remscheid von Minute 0 bis Minute 90 Fahnen zu schwenken und Schalala-Blub-Blub zu singen.

Aber wie soll es weiter gehen? Zum einem mit dem üblichen Sommertheater und den damit verbundenen Existenzängsten. Wenn sich das dann alles wieder gelegt haben sollte wird es auch weiter gehen, und letzten Endes werden wir als Fans uns auch wieder einreden, dass wir aus diesem Misserfolg gestärkt heraus gehen. Auch der Beipackzettel wird weiter bestehen und so wollen wir in der Sommerpause unser Augenmerk verstärkt auf unser Blog legen. Hier wollen wir in losen Abständen Artikel veröffentlichen, die zur aktuellen Situation passen. Vergesst uns also nicht und „freut“ euch mit uns auf einen neuen Anlauf im nächsten August.

Hassgegner Rest der Welt?

(Is) „Alles außer Uerdingen ist Scheiße!“ - jawohl, so einfach ist das. Aber was eigentlich ein leicht augenzwinkernd gemeinter Spruch ist, wird in unseren Reihen in letzter Zeit scheinbar ein bisschen zu wörtlich genommen. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck bei manchen Reaktionen aus der Fanszene, die auftreten wenn man mal das Glück hat, einem gegnerischen Anhang gegenüberzustehen der ausnahmsweise nicht ausschließlich aus Freunden und Verwandten der Spieler besteht.

Keine Frage, es gehört während eines Spiels auch dazu sich hin und wieder mal akustisch mit den gegnerischen Fans auseinanderzusetzen. Zumindest wenn sie dafür irgendwelche Gründe liefern. Wenn aber, wie zum Beispiel gegen Wuppertal geschehen, der Einmarsch in die Westkurve von ein paar Gestalten im offiziellen Gefährlichkeitsoutfit -  bestehend aus dunklem Windbreaker und Gürteltasche -  dazu führt, dass in den nächsten Minuten die Unterstützung für das eigene Team eingestellt wird und stattdessen ein ausgelutschter Hassgesang dem Nächsten folgt, wird wohl weit über das Ziel hinausgeschossen. Noch bedenklicher ist es dann, wenn der Lautstärkepegel dieser Phase weder vorher noch hinterher, wenn man sich wieder dem Spiel gewidmet hat, erreicht wurde.

Natürlich hatte das betreffende Spiel gegen den WSV seine bewegte Vor-geschichte. Allerdings scheint es gerade im Trend zu liegen, sich ständig künstlich neue Pseudo-Feindbilder aufzubauen. Vor jedem Spiel gegen einen Verein, dem man zutraut sowas ähnliches wie eine Fanszene zu haben (ganz egal, ob es sich dabei hauptsächlich um geliehene Schalke-, BVB- oder Gottweißwas-Fans handelt), wird sich fast schon in einen Wahn hineingesteigert, man stünde da einem Haufen gegenüber, dem man es aber mal so richtig zeigen müsse. Ob es dabei mit dem Verein in der näheren Vergangenheit irgendwelche Reibungen gab, oder sich die Klubs zuletzt kurz nach dem Krieg in einer Liga begegneten scheint dabei egal zu sein.

Die Erklärung dafür ist nur allzu logisch. Durch die sportliche Entwicklung der letzten anderthalb Jahrzehnte sind die traditionellen Feindbilder dermaßen aus unserem Blickfeld verschwunden, dass diese wahrscheinlich nur noch müde darüber lächeln können, welchen Raum die Auseinandersetzung mit ihnen bei uns immer noch einnimmt.

Dabei kann man sich gerne mal die Frage stellen, ob wir das eigentlich nötig haben. Spricht es wirklich für eine selbstbewusste Fanszene, wenn man ständig meint sich gegen andere profilieren zu müssen oder sich scheinbar am liebsten über die Abneigung anderen Vereinen gegenüber definiert? Steckt vielleicht gar ein gewisser Minder-wertigkeitskomplex dahinter, weil man den Umlandvereinen, mit denen man sportlich mal auf einer Augenhöhe war, heute weder fantechnisch noch sportlich das Wasser reichen kann? Wobei das ja voraussetzen würde, dass man in der Vergangenheit überhaupt ernst genommen wurde. Der Zwangsabstieg aus der Regionalliga vor fünf Jahren hat dafür gesorgt, dass wir in unserer Liga nicht mehr der kleine, belächelte Außenseiter sind, sondern der Verein mit der mit Abstand größten Fanszene. Dass wir in der mittlerweile 6. Liga trotz allem eine lebendige Fanszene haben, die immer noch erstaunlich viel zu Wege bringt, ist etwas worauf wir uns gerne etwas einbilden dürfen. Dass wir damit bei irgendwelchen Kleinstadtvereinen mit zwölf Fans für „Angst und Schrecken“ sorgen eher nicht.

Sonntag, 11. April 2010

Blau-Rote Südtribüne - Wie geht es weiter?

(Ma) Pünktlich zum Winteranfang hat unser Verein diese Aktion gestartet. Eine neue Heimat für die aktive Fanszene? Aber wie geht es weiter? Wir Fans wollen unsere neue Heimat behalten, da wir auch auf lange Sicht die Vorteile dieses Blocks nutzen wollen. Wir haben uns mit Geschäftsstellenleiter Lutz Spendig (LS) über die Zukunft unterhalten.

BPZ: Können wir Fans bis zum Saisonende vergünstigte Karten für Block K erwerben?


LS: Ja, das Angebot bleibt trotz Öffnung der Ostkurve zum Straelen-Spiel weiterhin bestehen. Block K soll der Stimmungsblock bleiben. Stehplatz-Dauerkarteninhaber haben somit weiterhin die Möglichkeit in Block K zu gelangen. Die Tageskarte kostet ebenfalls weiterhin 8€.

BPZ: Wie geht es nächste Saison weiter? Bleibt die Aktion Blau-Rote Südtribüne bestehen? Gibt es in Zukunft vergünstigte Dauerkarten für diesen Block?


LS: Aufgrund der durchweg positiven Erfahrung werden wir am Konzept „Block K“ festhalten. Selbstverständlich werden wir einen angemessenen Dauerkartenpreis ermitteln, um allen Fans weiterhin die Möglichkeit zu geben von der Südtribüne aus die Mannschaft zu supporten. Stehplatz-Dauerkarten werden hingegen in der nächsten Saison nicht mehr für Block K gültig sein.

BPZ: Beim Ticketverkauf, bei sogenannten Top-Spielen, gibt es immer wieder Probleme, da nicht nur Fans die vergünstigten Karten kaufen, sondern auch Menschen, die sich zum ersten Mal ein KFC-Spiel anschauen. Dies geht zu Lasten der Stimmung. Könnt ihr euch vorstellen mit Vertretern der Fanszene Gespräche über eine neue Vorverkaufsstrategie für diesen Block zu führen?

LS: Der Grundgedanke war ja schon richtig, es sollten nur erkennbare Fans in den Block, dies hat leider aus mehreren Gründen nicht einwandfrei funktioniert. Um dieses Problem in der nächsten Saison zu umgehen, werden wir in naher Zukunft Gespräche mit Fanvertretern und der Ticketorganisation führen.

BPZ: Habt ihr Rückmeldungen seitens der Mannschaft erhalten? Haben sie eine positive Veränderung der Stimmung bei den Heimspielen bemerkt?


LS: Die Mannschaft ist von der Stimmung aus Block K mehr als fasziniert. Die Stimmung ist wesentlich besser als noch mit offener Ostkurve. Die Spieler sind sich einig, Block K muss der Fanblock bleiben. In diesem Zusammenhang darf ich auch den Dank der Mannschaft aussprechen, dass trotz teilweise schlechter spielerischer Leistungen die Unterstützung von den Fans immer sehr gut und lautstark ist. Dies gilt für Heimspiele genauso wie für Auswärtsspiele.

Danke Lutz, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten.