(Is) „Alles außer Uerdingen ist Scheiße!“ - jawohl, so einfach ist das. Aber was eigentlich ein leicht augenzwinkernd gemeinter Spruch ist, wird in unseren Reihen in letzter Zeit scheinbar ein bisschen zu wörtlich genommen. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck bei manchen Reaktionen aus der Fanszene, die auftreten wenn man mal das Glück hat, einem gegnerischen Anhang gegenüberzustehen der ausnahmsweise nicht ausschließlich aus Freunden und Verwandten der Spieler besteht.
Keine Frage, es gehört während eines Spiels auch dazu sich hin und wieder mal akustisch mit den gegnerischen Fans auseinanderzusetzen. Zumindest wenn sie dafür irgendwelche Gründe liefern. Wenn aber, wie zum Beispiel gegen Wuppertal geschehen, der Einmarsch in die Westkurve von ein paar Gestalten im offiziellen Gefährlichkeitsoutfit - bestehend aus dunklem Windbreaker und Gürteltasche - dazu führt, dass in den nächsten Minuten die Unterstützung für das eigene Team eingestellt wird und stattdessen ein ausgelutschter Hassgesang dem Nächsten folgt, wird wohl weit über das Ziel hinausgeschossen. Noch bedenklicher ist es dann, wenn der Lautstärkepegel dieser Phase weder vorher noch hinterher, wenn man sich wieder dem Spiel gewidmet hat, erreicht wurde.
Natürlich hatte das betreffende Spiel gegen den WSV seine bewegte Vor-geschichte. Allerdings scheint es gerade im Trend zu liegen, sich ständig künstlich neue Pseudo-Feindbilder aufzubauen. Vor jedem Spiel gegen einen Verein, dem man zutraut sowas ähnliches wie eine Fanszene zu haben (ganz egal, ob es sich dabei hauptsächlich um geliehene Schalke-, BVB- oder Gottweißwas-Fans handelt), wird sich fast schon in einen Wahn hineingesteigert, man stünde da einem Haufen gegenüber, dem man es aber mal so richtig zeigen müsse. Ob es dabei mit dem Verein in der näheren Vergangenheit irgendwelche Reibungen gab, oder sich die Klubs zuletzt kurz nach dem Krieg in einer Liga begegneten scheint dabei egal zu sein.
Die Erklärung dafür ist nur allzu logisch. Durch die sportliche Entwicklung der letzten anderthalb Jahrzehnte sind die traditionellen Feindbilder dermaßen aus unserem Blickfeld verschwunden, dass diese wahrscheinlich nur noch müde darüber lächeln können, welchen Raum die Auseinandersetzung mit ihnen bei uns immer noch einnimmt.
Dabei kann man sich gerne mal die Frage stellen, ob wir das eigentlich nötig haben. Spricht es wirklich für eine selbstbewusste Fanszene, wenn man ständig meint sich gegen andere profilieren zu müssen oder sich scheinbar am liebsten über die Abneigung anderen Vereinen gegenüber definiert? Steckt vielleicht gar ein gewisser Minder-wertigkeitskomplex dahinter, weil man den Umlandvereinen, mit denen man sportlich mal auf einer Augenhöhe war, heute weder fantechnisch noch sportlich das Wasser reichen kann? Wobei das ja voraussetzen würde, dass man in der Vergangenheit überhaupt ernst genommen wurde. Der Zwangsabstieg aus der Regionalliga vor fünf Jahren hat dafür gesorgt, dass wir in unserer Liga nicht mehr der kleine, belächelte Außenseiter sind, sondern der Verein mit der mit Abstand größten Fanszene. Dass wir in der mittlerweile 6. Liga trotz allem eine lebendige Fanszene haben, die immer noch erstaunlich viel zu Wege bringt, ist etwas worauf wir uns gerne etwas einbilden dürfen. Dass wir damit bei irgendwelchen Kleinstadtvereinen mit zwölf Fans für „Angst und Schrecken“ sorgen eher nicht.
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Netter Text,
AntwortenLöschensollte wirklich mal dran gearbeitet werden.
Was z.B. heute in Oberhausen abging...
Wo man gegen die Oberhausener Gesänge "Für die Jungs die draußen stehen" und "Gegen alle Stadionverbote" mit der Antwort "Für ein paar Schwule seit ihr ganz schön laut" ankam.
Wirklich solidarisch!...